EinzelgÀngertum

Manchmal weiß man eben nicht mehr weiter…

Drogen sind fein, an der Olympia lief alles störungsfrei und die Limmat als Badeort

In der gestrigen Sendung von 10vor10 betrieb das Schweizer Fernsehen ungeniert Reklame fĂŒr hemmungslosen Drogenkonsum an der Straßenparade und fingierte im Anschluss Ordnung und Sicherheit an den Olympischen Spielen. Nebenbei preiste Frau Tussi Maier die einzigen drei Medaillengewinner des Landes als Helden an. Heil dir, Helvetia! → 10vor10 vom 10. August 2012 (Videoportal des SF)

Die beste Stelle folgt ab Minute 14:25. Diese Szene wurde am hinteren Ende des Platzspitz gedreht (dort, wo die Sihl und die Limmat zusammenfließen). Im Hintergrund zu sehen: jugendliche BadegĂ€ste, die frohgemut in die verdreckte Limmat eintauchen. Jemand hĂ€tte denen dringend sagen sollen, dass sich am Grund des Flusses so allerlei krankmachenden AbfĂ€lle hĂ€ufen. Flaschen, Becher, Toilettenpapier und HĂŒhnerknochen, um ein paar zu nennen. Die Limmat ist auch bekannt als das grĂ¶ĂŸte WC ZĂŒrichs. Den Geruch von Kacke und Pisse kriegt man manchmal gar nicht mehr aus der Nase.

Olympia in London: keine Störungen, keine Skandale? Es sei an die Probleme mit den Fahrstreifen erinnert, die ein tagelanges Verkehrschaos ausgelöst hatten. Busse konnten ihren Fahrplan nicht einhalten. Taxifahrer konnten keine GĂ€ste befördern. Und sonst? Flaggenverwechslung beim Fußballspiel zwischen Nordkorea und Kolumbien. Mickrige Sicherheitsvorkehrungen. Es fehlte an zivilen SicherheitskrĂ€ften. Stattdessen musste die britische Armee ihr Kontingent aufstocken. Es verlief halt doch nicht alles so störungsfrei, wie es uns das Schwitzer Fernsehen glauben machen will.

PS: Nein, ich bin nicht tot, nur halbtot.

Nachtrag 14. August: Jetzt kam ja doch noch ein Dopingfall dazu. Zu frĂŒh gefreut, SF!

Einstieg Basel-Glyybi

Zweierlei Anekdoten ĂŒber unseren verehrten Seigneur

FĂŒr eine internationale MilitĂ€rlaufbahn höchst außergewöhnlich war sein Unvermögen, Fremdsprachen zu sprechen. Zeitlebens verstĂ€ndigte er sich mit seiner Muttersprache Französisch, bis er dann am englischen Hofe des Deutschen mĂ€chtig wurde, um sich mit Georg zu unterhalten, der selber keine andere Sprache beherrschte. Über François-Louis’ Coinstar online mangelhafte Lateinkenntnisse machten sich seine Berufskollegen sogar lustig.

Im Laufe seines Lebens hatte der Seigneur eine Bibliothek errichtet, die auch Voltaire einst bewunderte. Sie umfasste Werke ĂŒber Mathematik, Kriegs- und Ingenieurskunst, Ackerbau sowie zeitgenössische Klassiker, darunter französische, deutsche und spanische Belletristik. Seine grĂ¶ĂŸte Leidenschaft galt allerdings der Geschichte. Voltaire fand Saint-Saphorin eines Tages im Sessel versunken, die Bibel lesend, und spottete ĂŒber dessen vermeintlich schlechten Geschmack. Als Reaktion gab der wutentbrannte General umgehend seinen Lakaien den Befehl: „Lassen Sie fĂŒr Herrn von Voltaire anspannen!“

Eine unbekannte GrĂ¶ĂŸe

Kurzbiografie

François-Louis de Pesmes de Saint-Saphorin war ein einflussreicher Diplomat des 18. Jahrhunderts. Er stand wĂ€hrend rund vierzig Jahren aktiv in auslĂ€ndischen Diensten, wobei er auf zahlreiche FĂŒhrungspersönlichkeiten seiner Zeit traf. Wer war der Schweizer und wie kam es dazu, dass er weit ĂŒber Staatsgrenzen hinaus geschĂ€tzt wurde, wĂ€hrend er in seinem Heimatland nahezu unbekannt blieb? Weiterlesen »

Mangelndes RechtsverstÀndnis

Das Internet als rechtsfreier Raum, wo man tun und lassen kann, wie einem beliebt, lockt allerlei Psychopathen zum gemeinsamen Mobbing und Bashing an. Das Problem ist, dass sie keine Konsequenzen fĂŒrchten mĂŒssen.

Wenn BĂŒrger öffentlich Straftaten begehen, ohne sich dessen ĂŒberhaupt bewusst zu sein, solcherlei Worte fallen dann: „Ich reisse dir mit meinen eigenen HĂ€nden die GebĂ€rmutter aus dem Ranzen.“ Von strafrechtlicher Relevanz dĂŒrfte auch diese ruchlose Äußerung sein: „Du lĂ€sst dich sicher von schwulen Hunden ficken.“ → Im Bluewin-Jass tobt der Kleinkrieg, 20 Minuten.

Kein Wunder, ist dem Staate doch inzwischen selbst das Verantwortungsbewusstsein abhanden gekommen. Die Eidgenossenschaft prĂŒft rechtliche Schritte, um ihren BĂŒrgern zukĂŒnftig jedwede bedingungslose Hilfe zu verweigern. Benjamin Franklin, John Locke, Thomas Hobbes und wie sie alle heißen, wĂŒrden vor Wut im Grabe rotieren, ja gar aus ihm aussteigen wollen, erfĂŒhren sie davon. → Bund will Abenteurer abschrecken, NZZ. Da möchte man doch meinen, dass ein Liberaler die Freiheiten des StaatsbĂŒrgers ausweiten möchte, sie aber wider seiner Gesinnung beschneidet.

Und zum Dessert die Krönung: der im Emdener Mordfall „Lena“ vollstĂ€ndig entlastete 17-JĂ€hrige wurde auf Facebook auf das Übelste beschimpft und bedroht. Ein Nutzer rief sogar zu Lynchjustiz auf. Die Polizeigewerkschaft ist entsetzt. Anwohner hatten seinen Namen und seine Anschrift bekanntgegeben, woraufhin sich ein wĂŒtender Mob vor seinem Wohnhaus versammelte. SpĂ€ter spĂŒrten sie den Nichtsahnenden vor der Polizeiwache auf, wo sie lauthals dessen Tod forderten. → Internethetze – das Ende der Unschuldsvermutung, Tagesschau.

BlĂŒmchen und KĂ€ferchen

Hochauflösende Nahaufnahmen:
EinzelgÀngerblume, LebensgefÀhrten, Balanceakt auf Grashalm.

Links zur Taufe in Amsterdam

Phil Reimer haut krĂ€ftig in die Tasten. Seit heute Nachmittag gibt es auf seinem Blog zwei Fortsetzungsberichte ĂŒber die Taufe Odins in Amsterdam.

und nochmals zwei:

(aktualisiert am 27. MĂ€rz)

2012 gehen die Normannen auf Beutezug

Viking River Cruises, jene Reederei, die mich auf ein zweiwöchiges Praktikum eingeladen hat, setzen offenbar alles daran, ihre Stellung als weltweit grĂ¶ĂŸtes Flusskreuzfahrtunternehmen auszuweiten (ist das ĂŒberhaupt noch möglich?) und die Dominanz auf europĂ€ischen FlĂŒssen zu stĂ€rken. Mit Freya, Idun, Njord und Odin werden ab 2012 vier Schwesterschiffe der neuen Langschiffgeneration in Dienst gestellt. Bis 2014 werden sechs weitere Neubauten zu Wasser gelassen, wie ich aus sicheren Quellen weiß. Im Internet stehen dazu widersprĂŒchliche Angaben. Zwei der Nordgötter liegen heute zur Taufe in der Rostocker Herstellerwerft. Gevatter Odin liegt zurzeit in Amsterdam, festlich geschmĂŒckt mit Girlanden, FĂ€hnlein und Ballons (→ Erlebnisbericht von Phil Reimer).

Langschiff der Viking River Cruises

Computergrafik eines Langschiffes (Viking behÀlt alle Rechte an diesem Bild vor)

Kleine Bemerkung am Rande: Ihr irrt euch nicht. Rechts ist vorne, links ist hinten. Man könnte wirklich meinen, der Bug sei das Heck.

Die Langschiffe werden durch umweltfreundliche dieselelektrische Hybridmotoren angetrieben. Solarzellen stellen zeitweilig fließenden Strom bereit und ein Biogarten auf dem Sonnendeck sorgt fĂŒr das Wachstum gesunder KrĂ€uter. Ein Schiff misst 135 Meter in der LĂ€nge und beherbergt insgesamt 95 Kabinen, wovon 75 Prozent Zugang zu begehbaren Veranden und Balkonen bieten. Rund 200 Passagiere finden auf den drei bedachten Stockwerken (Decks) Platz.

Kreuzfahrt auf dem Rhein

Ab Ostersonntag darf ich die MS Viking Helvetia fĂŒr zwei Wochen auf ihrer Reise von Basel nach Amsterdam und zurĂŒck begleiten. Wie es sich fĂŒr einen Schiffsjungen geziemt, helfe ich beim An- und Ablegen, reinige die Decks und bediene vielleicht sogar unter Aufsicht die Steuermechanismen, welche einem Joystick Ă€hneln. ErwĂ€hnenswerte Zwischenstationen sind Straßburg, Mannheim, Koblenz, Köln und Rotterdam. Auf dem RĂŒckweg fĂ€hrt das Schiff einen Abstecher nach Speyer. In der Freizeit wird die Kamera hervorgeholt und die vorbeiziehende Landschaft abfotografiert. Ihr dĂŒrft euch auf vielfĂ€ltiges Material freuen. Erweise ich mich als tĂŒchtig und verantwortungsbewusst, darf ich im August die Ausbildung zum Binnenschiffer antreten; sollte ich dann noch genĂŒgend Interesse fĂŒr den Beruf haben, versteht sich. Entsprechende ZugestĂ€ndnisse seitens der Reederei liegen bereits vor. Bis die Tage!

MS Viking Helvetia

Das besagte Schiff bei Kehl, BW. Foto: Rolf Heinrich. Lizenz: Creative Commons BY-SA 2.0

Neue Bilder aus dem Druidenwald

Gestern aufgenommen Moneygram en linea an einem sommerlichen FrĂŒhlingsnachmittag. Die genaue Position ist: 47° 30′ 33.42″ N, 8° 24′ 26.26″ E (Feusistraße in WaldrandnĂ€he).